Aus Gründen wie Zeitdruck und Streß reagieren die meisten Angestellten – vor allem in Krankenhäusern – in täglichen Arbeitssituationen oftmals gereizt und unprofessionell. Diese Beobachtung macht Kommunikationstrainerin & Coach Christiane Fruht seit über zehn Jahren in ihrer Funktion als Klinik-Beraterin und kennt sie noch aus ihrer Zeit als Krankenschwester in verschiedenen Kliniken. Für sie steht fest, das muss nicht so sein und kann verbessert werden. Im Interview berichtet sie über die Herausforderungen in ihrem Job und gibt Krankenhausmitarbeitern praktische Tipps, wie sie im Arbeitsleben durch eine positivere Kommunikation glücklicher und zufriedener werden.

Kommunikationstrainerin & Coach Christiane Fruht, Fotocredit: promo

Ulrich Kommunikation: Sie werden seit über zehn Jahren als Coach in Krankenhäusern gebucht, um dort die Kommunikation zu verbessern. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit mit medizinischen Teams?

Christiane Fruht: Die Herausforderung beginnt bereits bei der Anmeldung zum Workshop. Durch die dünne Personaldecke bleibt den Ärzten und Pflegern wenig Zeit für Fortbildungen. Grasiert gerade mal wieder eine Grippewelle, kommt es vor, dass man nur vor einer Hand voll Teilnehmern steht.

Aus demselben Grund müssen sämtliche Maßnahmen auch effizient konzipiert sein. Hier bediene ich konsequent die Prämissen der Kunden, da ich den Klinikbetrieb auch aus der Mitarbeiter-Perspektive in- und auswendig kenne. Der „Laden“ muss in erster Linie laufen. Für den Fall, dass längere Workshops die organisatorischen Ressourcen überschreiten könnten, habe ich das Format „drei zweistündige Workshops pro Tag “ entwickelt, dass im Ergebnis genauso effektiv wie ein zeitlich länger anberaumter Workshop sein kann.

Ulrich Kommunikation: Warum haben Mitarbeiter im Krankenhaus Defizite bei der Kommunikation und was können sie dagegen tun?

Christiane Fruht: Die können genauso gut kommunizieren wie die Menschen außerhalb des Biotops Klinik. Doch holt sie ziemlich oft der Stress ein. Im angespannten Zustand noch freundlich und klug kommunizieren zu können, ist eine ganz große Kunst. Ich gewinne sie für eine konstruktive Art der Kommunikation, indem ich ihnen zeige, dass diese Zeit im Umgang miteinander spart und alle Beteiligten zufrieden hinterlässt.

Ulrich Kommunikation: In Ihrem Ratgeber für die patente Krankenschwester geben Sie Handlungs- und Verhaltenstipps für die Pflegekräfte. Wie ist dieses Buch entstanden und warum gehört es in jede Kitteltasche?

Der Ratgeber von Christiane Fruht „Ich komme gleich“

Christiane Fruht: Ich arbeite sehr nah an den Mitarbeitern und bekomme mit, dass eine mangelhafte bis gar keine Kommunikation die Mitarbeiterzusammenarbeit und die Patientenversorgung zusätzlich erschweren. Es war mir ein inneres Bedürfnis, dieses Buch zu schreiben. Mit seiner Kürze kommt es dem knappen Zeitbudget der Pflegekräfte entgegen. Das Lesen soll den Pflegekräften ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und es ist grafisch witzig ansprechend gestaltet, damit der Leser nie die Lust verliert, immer mal wieder reinzugucken. Viele geschätzte Pflegekräfte berichten mir, dass sie den Ratgeber besonders dann intensiv benutzen, wenn es mal wieder eine schwierige Situation zu lösen gibt.

Ulrich Kommunikation: Warum ist eine angemessene, positiv gestimmte Kommunikation im Krankenhaus so wichtig, wo doch jeder weiß, dass das medizinische Personal am Limit arbeitet und nur Zeit für die notwendigsten Dinge hat?

Christiane Fruht: Genau aus diesem Grund. Wer schaffen will, muss fröhlich sein, das wußte schon Theodor Fontane. In positiver Atmosphäre fällt die Arbeit leicht, in destruktiver schwerer. Letztere macht nachgewiesenermaßen sogar krank. Eine Krankenhausschicht muss so oder so absolviert werden, egal wie die Umstände sind. Die Mitarbeiter fühlen sich durch meine Workshops in die Lage versetzt, sich bevorzugt fröhlich durch den Arbeitsalltag zu bewegen und die Dinge etwas positiver zu betrachten.

Ulrich Kommunikation: Welche grundsätzlichen Empfehlungen geben Sie dem medizinischen Personal bei der täglichen Arbeit und im Umgang mit Patienten, Angehörigen und Kollegen mit auf den Weg?

Christiane Fruht: 1. Entscheide Dich für ein gutes Arbeitsklima und leiste Deinen Beitrag dazu. 2. Behandele jeden Patienten so einfühlsam, als wäre es Dein erster. 3. Sorge für angenehme Freizeitaktivitäten, damit Du von der Arbeit umschalten kannst und sie Dich nicht 24/7 im Griff hat.

Informationen über Christiane Fruht: Sie ist Kommunikationswissenschaftlerin, Psycholinguistin, Coach, Mediatorin und Trainerin. Sie berät und coacht Klinik-Teams und Führungskräfte, um deren Zusammenarbeit zu optimieren. Dabei kommt ihr und ihren Kunden auch ihre 16-jährige Berufserfahrung als examinierte Krankenschwester zugute. Ihr Ratgeber für die patente Krankenschwester „Ich komme gleich“ ist im Jahr 2015 erschienen.

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